Robert Walser-Archiv
Nachlässe Ball/Hennings
Der Nachlass Emmy Hennings/Hugo Ball war bis 2009 als Depositum im Robert Walser-Archiv hinterlegt und 2008/2009 erschlossen worden. Im Herbst/Winter 2009 wurde er als Depositum ins Schweizerische Literaturarchiv SLA der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern überführt und 2012 vom SLA erworben. Die Nachlassbestände können heute dort konsultiert werden (s. Online-Inventar); Benutzeranfragen richten Sie bitte an die Nachlassverantwortlichen im SLA, Frau Dr. Christa Baumberger und Herrn Dr. Magnus Wieland (E-Mail: arch.lit(at)nb.admin.ch).
Zum Nachlass:
Als Mitte der 80er und Anfang der 90er Jahre die grossen Dada-Ausstellungen im Zürcher Kunsthaus stattfanden, war an einer Stelle eine markante Lücke zu erkennen: Die Austellungen zeigten kein Material aus der Hinterlassenschaft der Gründer des Dadaismus: Hugo Ball und Emmy Hennings. Beide Nachlässe waren lange in Familienbesitz und wurden erst nach der Neu-Edition von Hugo Balls Hauptwerk Die Flucht aus der Zeit (Zürich: Limmat 1991) zugänglich.
Das Nachlass-Material öffnete endlich einen unverfälschten Blick auf zwei schillernde und in vielen Bereichen einflussreiche Figuren des literarischen Lebens der 10er und 20er Jahre.
Emmy Hennings erwies sich als das genaue Gegenteil des Rufs, der ihr lange anhing – nämlich, eine asketisch-schwärmerische Mystikerin zu sein. In Wahrheit war sie Muse und Geliebte einer ganzen Dichtergeneration und inspirierte Erich Mühsam, Jakob van Hoddis, Johannes R. Becher, Albert Ehrenstein, Ferdinand Hardekopf und viele andere. Im besonderen aber zeigte sich die Unterschätzung, der ihr schriftstellerisches Werk bislang unterlegen war; mit ihrer Lyrik und der zum Teil unveröffentlicht gebliebenen frühen Prosa steht sie neben Autorinnen wie Else Lasker-Schüler, Marieluise Fleisser oder Irmgard Keun.
Auch Hugo Balls Werk wurde nun in seiner ganzen Vielschichtigkeit offenbar. Sein Weg führte ihn vom Nietzsche- und Wedekind-Adepten über den Dadaismus zum republikanischen Journalismus und schließlich von der Kulturkritik zur Religionshistorie. Als naher Freund Hermann Hesses war er nicht nur dessen erster Biograph, sondern auch Vorbild für einige von Hesses literarischen Figuren.
All diese Beziehungen und Wandlungen spiegeln die Nachlässe in vielfältiger Weise: in umfänglichen Tagebüchern sowohl von Hugo Ball als auch von Emmy Hennings, in reichhaltigen Korrespondenzen mit Künstlern und Autoren der Zeit und in zahlreichen Werkmanuskripten (u.a. erstes Dadaistisches Manifest) samt zugehöriger Materialien. Beide Nachlässe umfassen zusammen etwa 3'000 Titeleinträge.


