Robert Walser-Archiv
Das Robert Walser-Archiv sammelt alle Materialien zum Leben und Werk von Robert Walser und Carl Seelig.
Sammlungsschwerpunkte
Den wichtigsten Schwerpunkt bildet die Robert-Walser-Dokumentation, in der alle gedruckten und ungedruckten Materialien zu Robert Walsers Leben und Werk gesammelt werden, so Erstdrucke und spätere Buchausgaben, Übersetzungen, Bearbeitungen für Theater, Hörspiel etc. und Sekundärliteratur (Monografien, Aufsätze, Zeitungsartikel, unveröffentlichte universitäre Arbeiten etc.).
Ein Sammlungsschwerpunkt sind auch literarische Zeitschriften der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Individualität; Die Insel; Der neue Merkur; Die neue Rundschau; Pro Helvetia; Die Rheinlande; Die Schaubühne / Die Weltbühne; Sonntagsblatt des Bund / Der kleine Bund; Die Weißen Blätter; Wissen und Leben / Neue Schweizer Rundschau; Schweizerland; Kunst und Künstler u. a.).
Die Materialien zu Leben und Werk des Schriftstellers, Verlegers und Literaturförderers Carl Seelig bilden einen weiteren Schwerpunkt der Sammlung.
Hinweise
Das Robert Walser-Archiv ist an neu auftauchenden Walser-Materialien sehr interessiert und jederzeit dankbar dafür, wenn sie ihm zur Kenntnis gebracht werden. Diesbezügliche Hinweise nimmt der Archivleiter, Dr. Lucas Marco Gisi (lucas.gisi(at)robertwalser.ch), gerne entgegen.
Zur Geschichte des Archivs
Das Robert Walser-Archiv, gegründet 1973 von der Carl Seelig-Stiftung, Zürich, ging aus der Hinterlassenschaft des Zürcher Mäzens und Journalisten Carl Seelig (1894–1962) hervor, der Robert Walser in seiner Anstaltszeit als einziger regelmässig besuchte und seine letzte Kontaktperson war.
1937 hatte Carl Seelig eine Anzahl Manuskripte und Druckbelege von Walsers Schwester Lisa erhalten – angeblich in einem Schuhkarton. Ein weiteres Konvolut kam nach Walsers Tod in der psychiatrischen Klinik Waldau zufällig zutage und gelangte ebenfalls an Seelig.
Der gesamte Nachlass Walsers umfasste
- 526 Blätter mit Mikrogrammen (Papiere verschiedenster Art und Grösse, auf denen Walser seine Texte in winziger Bleistiftschrift entwarf)
- 224 unpublizierte Prosamanuskripte aus den Jahren 1924–1933 und 73 separat numerierte Gedichtmanuskripte (bis auf Der Sonntag ebenfalls unveröffentlicht)
- rund 300 Prosa-Abdrucke (die frühesten davon aus der Bieler Zeit, die letzten von 1937) und 122 Gedicht-Abdrucke aus der Berner Zeit.
Charakteristisch für Walsers Werk ist eine extreme publizistische Zerstreuung: Von 1898 bis in die 1930er Jahre hat er mehr als 1000 Texte in über 100 verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen publiziert. Walsers Texte wie auch die Dokumente zu seinem Leben mussten erst in langwieriger Recherche aufgespürt und zusammengetragen werden. Dieser Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen und noch immer werden neue Texte gefunden.
Alle Autografen der Nachlässe von Robert Walser und Carl Seelig werden seit 2008 als langfristiges Depositum im Schweizerischen Literaturarchiv SLA der Schweizerischen Nationalbibliothek gelagert, um die modernsten Standards für die Sicherung, Konservierung und Erschließung zu garantieren.
Dem Archiv wurden im Laufe seiner Tätigkeit auch die Nachlässe von Hugo und Emmy Ball-Hennings, Josef Halperin, Max Müller (Friedrich Glauser-Sammlung), Ossip Kalenter sowie das Archiv des Steinberg-Verlags Zürich anvertraut.
Diese Bestände werden zur Zeit erschlossen und 2009/2010 ins Schweizerische Literaturarchiv SLA der Schweizerischen Nationalbibliothek überführt.


